Angst

Symptom: Angst Informationen und Behandlungsmöglichkeiten

Angst ist ein wesentlicher Bestandteil des Menschen. Es ist ein Gefühl, das unser Überleben sichern kann. Es ist eine Grundemotion, die in der menschlichen Psyche verwurzelt ist. Demnach ist die Angst in allen Kulturen anzutreffen. Es gibt keinen Menschen, der dieses Gefühl nicht kennt.

Der Sinn der Angst

Die Angst hat bei allen Lebewesen auf dieser Welt eine einzige Funktion: Sie ist ein Schutzmechanismus und soll die körperliche und geistige Sicherheit des Menschen aufrechterhalten. Beim Menschen tritt die Angst auf, wenn er eine für sich bedrohliche Situation wahrnimmt. Sofort schärfen sich seine Sinne um die Gefahr rechtzeitig zu erkennen und sich so gut es geht zu schützen. Körper und Geist bereiten sich auf eine Reaktion vor. Um unversehrt aus der Gefahrenquelle hervorzugehen, muss der Mensch entweder angreifen und kämpfen, fliehen oder erstarren und sich tot stellen. Ist die Gefahr vorüber und erfolgreich gebannt, tritt körperliche Entspannung ein. Ist ein Mensch jedoch ständig in Hab-Acht-Stellung und befürchtet er immerzu in Gefahr zu sein, sprechen Mediziner von einer Angststörung. 13 Prozent der Erwachsenen leben mit dieser Krankheit. Jugendliche sind noch öfter betroffen. Angstpatienten sind in ihrem täglichen Leben mehr oder weniger stark eingeschränkt und erfahren einen hohen Leidensdruck. In so einem Fall sollte unbedingt ärztliche Hilfe aufgesucht werden.

Die Angst ist im Homo Sapiens biologisch vorbereitet. Früher hatten die Menschen Angst vor Hungersnot, vor Fressfeinden, vor Unwetter, vor Frost und Feuer. Die Menschen lebten mitten in der Natur, die viele Gefahren in sich barg. Die Angst vor Schlangen ist beispielsweise biologisch vorbereitet. Auch die Angst vor dem Alleinsein ist tief verankert. Der Mensch lebte schon in frühester Zeit in kleinen Gruppen. Die Furcht vor Dingen oder Situationen, die erst in der Neuzeit entstanden, hat sich erst entwickelt. Ängste vor Arbeitslosigkeit oder dem Klimawandel sind Beispiele hierfür. Aber eines ist immer gleich: Zeigt der Mensch Angst, bittet er um nichts anderes als Schutz.

Vorgänge im Körper

Ist ein Mensch einer angstauslösenden Situation ausgeliefert, werden Reaktionen im Körper in Gang gesetzt um den Ängstlichen zum Kampf oder zur Flucht zu verhelfen. Hierbei ist es übrigens egal, ob der Betroffene sich mit einer realen Situation konfrontiert sieht oder ob er sich das Geschehnis nur vorstellt oder sich an dieses erinnert. Für das Gehirn sind jegliche Bilder – egal ob aus der Realität oder aus der Fantasie empfangen – immer real und bedürfen einer ernstzunehmenden Reaktion. Um die notwendige Energie herzustellen, schüttet der Körper enorme Mengen an Cortisol und anderen Stresshormonen aus. Erhöhte Aufmerksamkeit ist die Folge. Die Pupillen weiten sich und Hör- und Sehvermögen werden empfindsamer. Herzfrequenz und Blutdruck erhöhen sich und sorgen für eine schnelle Reaktion. Die Muskeln spannen sich an und stellen die nötige Energie bereit. Blasen-, Magen-, und Darmtätigkeit werden gehemmt, eine flachere und schnellere Atmung stellt sich ein. Moleküle in Form von Schweiß werden abgesondert. Der Schweißgeruch soll andere Artgenossen warnen. All dies sind lebensnotwendige Maßnahmen des Körpers und, anders als befürchtet, nicht gefährlich.

Der Bereich im Gehirn, der für Angst bzw. Sensibilität verantwortlich ist, nennt man Amygdala. Die Amygdala ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark aktiv bzw. ausgeprägt. Dies ist der Grund, weshalb die Menschen ein unterschiedliches Angstniveau aufweisen. Einige Leute reagieren auf bestimmte Dinge ängstlicher als andere. Manche Menschen steigen gelassen in ein Flugzeug, während andere von Angst geschüttelt werden und nur unter Einnahme von Beruhigungstabletten das Fliegen wagen.

Macht ein Mensch die Erfahrung, häufig Angst haben zu müssen, ist die Amygdala darauf trainiert mehr oder weniger ständig sensibel für mögliche Signale zu sein. In einigen Fällen kann es dazu kommen, dass der Mensch Angst verspürt, die angstauslösende Situation jedoch nicht erkennen kann. Die Symptome können demnach fehlinterpretiert werden.

Phobie

Hat ein Mensch immer vor einem bestimmten Objekt oder einer speziellen Situation Angst, so spricht man von einer Phobie. Die Angst vor Spinnen, bezeichnet als Arachnophobie, ist ein typischen Beispiel hierfür. Auch Prüfungsangst, Flugangst, Platzangst (Agoraphobie), Einschlussangst (Klaustrophobie) oder Höhenangst (Akrophobie) gehören dazu.

Panikattacken

Menschen mit Angststörungen erleben sie häufig. Die ersten Anzeichen machen sich mit einem unruhigen, mulmigen Gefühl bemerkbar. Man fängt an zu schwitzen und bekommt Schwindelgefühle, ähnlich wie bei einem Kreislaufkollaps. Zittern, Übelkeit und Atemnot sind weitere Begleiterscheinungen. Oft kommt die zusätzliche Angst des Betroffenen hinzu, er könnte schwer erkrankt sein. Der Zustand kann einige Minuten bis mehrere Stunden andauern. Den starken Angstgefühlen ausgesetzt gewesen, vermeidet der Betroffene häufig die Situation, in der die Panikattacke spürbar war. Er hofft auf diesem Wege eine erneute Attacke zu umgehen. Dies führt zu erheblichen Einschränkungen im Leben des Betroffenen. Panikanfälle können jederzeit und überall auftreten, weshalb ein Vermeiden der Situation unsinnig ist.

Generalisierte Angststörung

Bei dieser Art von Störung macht sich die Angst schleichend bemerkbar. Betroffene klagen über ein ungutes Gefühl oder Druck in der Magengegend, über wachsende innere Anspannung und ein Gefühl der Lähmung. Zusätzlich kommt es zu Gedankenraserei und dem Unvermögen, diese in eine kontrollierte Bahn zu lenken. Die sich aufschaukelnden Gedanken und Sorgen erhöhen die Anspannung. Der Mensch findet sich in einem Teufelskreis wieder.

Behandlungsmöglichkeiten

Ist man aufgrund seiner Angst in seinem Leben eingeschränkt, sollte man sich Hilfe holen. Der erste Schritt ist der Gang zum Hausarzt. Noch besser ist es, gleich einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufzusuchen. Sind erst einmal körperliche Ursachen ausgeschlossen, kann das Problem gezielt angegangen werden. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist die Angst in den Griff zu bekommen. Meist ist eine Psychotherapie der richtige Ansatz. Bei Angststörungen wird oft eine tiefenpsychologische Psychotherapie von den Kassen gewährleistet. Bei dieser werden schlimme Kindheitserinnerungen, die höchstwahrscheinlich die Ursache der heutigen Angst sind, aufgearbeitet. Am erfolgreichsten zeigte sich jedoch die kognitive Verhaltenstherapie. In dieser lernt der Patient angstauslösende Situationen aufzusuchen und die Gefühle zu durchleben. Er merkt, dass er nicht hilflos ausgeliefert ist und gewinnt an Selbstsicherheit. Bald schon merkt der Patient eine Reduzierung seiner Angstgefühle.Viele Ärzte sehen eine zusätzliche medikamentöse Behandlung als hilfreich an. Da Angst und Depressionen eng miteinander in Verbindung stehen, führt die Verabreichung von Antidepressiva zu weitreichenden positiven Ergebnissen.

Im Allgemeinen sind Angsterkrankungen gut zu behandeln. Betroffene können darauf hoffen, dass sie weitgehend uneingeschränkt ein normales erfreuliches Leben führen können.