Borreliose

Krankheit: Borreliose Informationen und Behandlungsmöglichkeiten

Borreliose ist eine heimtückische Krankheit. Die Symptome für eine Erkrankung können allen möglichen Krankheitsbildern zugeordnet werden. Auch die typische Wanderröte zeigt sich nicht immer. Wird Borreliose nicht erkannt, können viele Jahre später neurologische Lähmungserscheinungen und Gelenkschmerzen auftreten. Ein einziger Zeckenbiss kann also ein ganzes Leben lang Folgen haben.

Ursachen von Borreliose

Borreliose wird durch einen Zeckenbiss übertragen. Die einheimischen Zecken, besonders die Schildzecken, in Wald und Wiese nehmen die Borreliose-Erreger über eine Blutmahlzeit von kleinen Nagetieren oder Vögeln auf. Wenn die Zecke anschließend einen Menschen befällt, dann können diese Erreger mit dem Speichel der Zecke auf den Menschen übertragen werden, denn die Zecke gibt nach der Blutmahlzeit auch Verdauungsreste aus dem Magen in die Wunde. Je eher eine Zecke entfernt wird, desto besser ist es. Als Verursacher der Borreliose werden Bakterien (Borrelien oder Borrelia burgdoferi) genannt. Von Mensch zu Mensch wird Borreliose nicht übertragen. Mit Borreliose infizierte Zecken leben vor allem im Süden und in der Mitte Deutschlands. Der Main ist eine natürliche Barriere für die Verbreitung von Borreliose. Das Risiko für eine Erkrankung ist entlang der tschechischen und polnischen Grenzen am größten. Jährlich gibt es laut des Robert-Koch-Institutes in Deutschland rund 100.000 geschätzte Fälle von Borreliose. Nur in acht Bundesländer besteht eine Meldepflicht. 2011 wurden circa 8000 Fälle amtlich registriert.

Symptome und Verlauf der Infektion

Eine Borreliose verläuft in drei Stadien. Ein typisches Anzeichen für eine Erkrankung im ersten Stadium und auch das auffälligste Zeichen ist die sogenannte Wanderröte. Sie bildet sich an der Bissstelle und tritt einige Tage bis einige Wochen nach dem Biss auf. Die Hautrötung kann die Größe eines Euros, aber auch einen Durchmesser bis zu einem halben Meter, besitzen. Die Wanderröte verursacht keine Schmerzen und juckt nicht. Sie bewegt sich von der Bissstelle weg und nach einiger Zeit verschwindet sie einfach. Eine Wanderröte tritt zudem nicht in jedem Fall auf. Betroffene suchen deshalb häufig keinen Arzt auf. Im ersten Stadium können zahlreiche weitere jedoch untypische Symptome auftreten. Dazu gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Fieber
  • Schwellungen von Lymphknoten
  • Bindehautentzündung
  • allgemeine Abgeschlagenheit

Alle Symptome lassen sich bekannten Krankheiten wie Grippe, Arthritis, Arthrose, Bandscheibenvorfall, Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündung zuordnen. Viele Patienten werden als „Simulanten“ bezeichnet, da sich keine eindeutigen Ursachen feststellen lassen. Nach zwei bis vier Monaten tritt die Borreliose in das zweite Stadium ein. Die Erreger breiten sich im gesamten Organismus aus. Dabei kommt es zu folgenden Symptomen:

  • alle Symptome, die einer Grippe zugeordnete werden können
  • Schwellung von Lymphknoten
  • Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen
  • Herzbeutelentzündung
  • Augenentzündung
  • Herzrhythmusstörungen

Im dritten Stadium tritt die Borreliose in das chronische Stadium ein. Symptome können sich nach Monaten oder auch erst Jahren einstellen. Charakteristisch sind:

  • geschwollene Haut an Händen und Füßen
  • bläuliche Hautverfärbungen
  • Infektionen von Gelenken (Lyme-Arthritis)
  • Lähmung von Körperteilen, Gehirnhautentzündung, Koordinationsstörungen (Neuroborreliose)

Diagnose

Der Arzt nimmt die Bissstelle in Augenschein und lässt sich die Beschwerden beschreiben. Zudem wird eine Blutprobe entnommen. Diese wird auf Antikörper gegen die Erreger getestet. Antikörper lassen sich erstmals 2-4 Wochen nach dem Zeckenbiss nachweisen. Danach verbleiben sie jahrelang im Blut. Antikörper müssen also nicht zwingend auf einen kürzlich erfolgten Zeckenbiss hindeuten. Bei Verdacht auf Neuborreliose wird zudem die Flüssigkeit im Rückenmark auf Entzündungen untersucht.

Behandlung und Therapie

Ein Therapieplan umfasst den Nachweis der Borreliose, die Bekämpfung der eingedrungen Borrelien, Reduzierung der Entzündungen im Körper, Schmerztherapie zur Steigerung des Lebensgefühls und die Stärkung des Immunsystems. Häufig sind keine Medikamente nötig und die Borreliose heilt nach einiger Zeit einfach aus. Mit der Gabe von Antibiotika kann jedoch die Ausweitung der Borreliose auf Nerven und Organe vermindert werden. Infrage kommen Antibiotika wie Amoxicillin, Cefuroxim oder Doxycycilin. Diese Mittel können in jedem einzelnen Stadium der Erkrankung zum Einsatz kommen. Im ersten Stadium wird das antibiotische Mittel über einen Zeitraum von 2 Wochen verordnet. In den späteren Stadien, wenn die Erreger schon weiter in den Körper vorgedrungen sind, beträgt die Behandlungsdauer 3-4 Wochen. Das Antibiotikum wird dann oft als Infusion verabreicht.

Komplikationen

Etwa die Hälfte aller Erkrankten leidet trotz medikamentöser Therapie von Zeit zu Zeit an den Spätfolgen der Borreliose. Die schubartigen Beschwerden der Symptome des zweiten Stadiums der Erkrankung verlaufen jedoch kürzer und weniger schmerzintensiv.

Vorsorge

Eine vorbeugende Impfung oder eine Vorsorge mit Tabletten wie bei Malaria gibt es bei Borreliose nicht. Die einzige Vorsorgemöglichkeit besteht in der Vermeidung eines Zeckenbisses. Zecken halten sich bevorzugt im hohen Gras, Sträuchern und an Farnen auf. Der Volkslauben, dass sich Zecken von Bäumen fallen lassen, ist falsch. Deshalb sind lange Hosen mit Gummizug an den Knöcheln oder in die Socken gesteckte Hosenbeine eine gute Vorsorge, wenn Sie im Gelände unterwegs sind. Bis zu einer Dauer von zwei Stunden schützen chemische Insektenschutzmittel. Suchen Sie nach jedem Aufenthalt im Freien den Körper nach Zecken ab. Sie sitzen besonders gern in den Kniekehlen, Armbeugen oder am Haaransatz von Kindern.

Eine Zecke entfernen

Je eher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko zur Übertragung von Borreliose. Forscher entdeckten, dass erst ab einem Zeitraum von 24-72 Stunden nach dem Einstich die Bakterien mit dem Speichel der Zecke übertragen werden. In der Apotheke sind spezielle Zeckenzangen erhältlich. Im Notfall genügen auch die Fingernägel. Bewegen Sie die Zecke leicht hin und her und ziehen Sie die Zecke anschließend mit einem Ruck heraus. Zecken haben kein Gewinde. Wenn Sie die Zecke herausdrehen, dann kann es passieren, dass der Stechrüssel der Zecke abreißt. Er kann die Einstichstelle entzünden. Überprüfen Sie deshalb den Kopf der Zecke auf Vollständigkeit. Gehen Sie zum Arzt, wenn der Kopf nicht vollständig ist. Quetschen Sie den Körper der Zecke beim Entfernen nicht. Damit würden Sie die Borrelien aus dem Magen der Zecke heraus in den menschlichen Körper pressen. Hausmittel wie Alkohol, Klebstoff und Öl versetzen die Zecke in Stress. Sie könnte ihren infektiösen Speichel also noch eher entleeren. Verzichten Sie unbedingt auf solche Maßnahmen.

Das Kreuz mit der Borreliose

Chronische Borreliose kann bis zu 150 verschiedene Beschwerden hervorrufen. Diese reichen über Kopfschmerzen und Magenbeschwerden bis hin zu Frösteln und Schwitzen. Oft kann Borreliose als Ursache nicht eindeutig nachgewiesen werden. Eine vorbeugende Gabe von Antibiotika ohne den Nachweis von Antikörpern im Blut wird von Ärzten nicht empfohlen. Gegen Borreliose bildet der Körper nach einer Infektion keine Antikörper. Eine Neuinfektion zwischen April und Oktober kann deshalb jederzeit stattfinden.