Depressionen

Krankheit: Depressionen Informationen und Behandlungsmöglichkeiten

Das Leitsymptom der psychischen Störung Depression ist die Niedergeschlagenheit. Die Depression gilt in der Psychiatrie als affektive Störung. Das Klassifikationssystem der psychischen und anderen Erkrankungen (ICD10) nennt die Krankheit depressive Episode oder rezidivierende depressive Störung. Es ist medizinisch gesehen eine ernste psychiatrische Erkrankung, die medizinisch behandelt werden muss. Reine Willenskraft kann die Symptome nicht besiegen.

Symptome der Krankheit

Depressive Menschen leiden an einem Verlust der Fähigkeit zur Freude oder Trauer, dem Gefühl der Gefühllosigkeit, der Unzugänglichkeit für Zuspruch, dem Gefühl anhaltender Leere. Schwer depressiv Erkrankte leiden an völliger Sinnlosigkeit des Lebens und neigen zu Selbstmord. Antriebslosigkeit, Starke Zukunftssorgen, schwere Beunruhigung durch Bagatellen, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, soziale Selbstisolation, Müdigkeit, Schuldgefühle, Konzentrationsprobleme und viele weitere Symptome, die alle zu Einschränkungen im Gefühlsleben, im Verlust des Interesse an der Umwelt, zu Libidoverlusten oder einem gestörten chronobiologischen Rhythmus (Schlafstörungen) führen.

Der Schwersterkrankte kann im Antrieb so gehemmt sein, dass alltägliche Tätigkeiten wie Einkaufen, Körperpflege und verwandte Sachen nicht mehr durchgeführt werden. Bei Frauen und Männern können sich Depressionen verschieden äußern. Frauen neigen tendenziell eher zum Grübeln und zur Mutlosigkeit. Männer zeigen auch aggressives Verhalten und ein erhöhtes Selbstmordverhalten. Kinder sind in jungen Jahren an ihrem Verhalten als depressiv zu erkennen. So zeigen sie unter anderem ein ausdrucksloses Gesicht und gestörtes Essverhalten.

Im Vorschulalter ist die Depression unter anderem an traurigen Gesichtern, und verringerter Mimik und Gestik zu erkennen. Schulkinder zeigen vor allem Schulleistungsstörungen und neigen zu Selbstmordgedanken. Pubertierende Jugendliche zeigen unter anderem ein geringes Selbstvertrauen, haben Angst und neigen zu Konzentrationsmangel. Für die Diagnose maßgeblich sind depressive Stimmung, Interessenverlust und fehlende Freude und erhöhte Ermüdung. Diagnoseverfahren sind die Hamilton-Depressionsskala, das Beck-Depressionsinventar und das Inventar depressiver Symptome. Auch Befragungen am Arbeitsplatz, in der Schule oder dem Kindergarten gehören zu den Diagnosewerkzeugen der Ärzte.

Arten der Depressionen

Depressionen werden nach dem Diagnoseschema ICD-10 beschrieben. Es wird zwischen depressiven Episoden und rezidivierenden Störungen unterschieden. Nach der Schwere wird zwischen leicht, mittel und schwer unterschieden. Die chronische Form ist als Dysthymia bekannt. Die bipolare affektive Störung ist ein Schwanken zwischen Depression und Manie. Die Winterdepression entsteht durch den Mangel an Sonnenlicht im Winter. Altersdepression gibt es nicht. Die Depression alter Menschen unterscheidet sich nicht von der jüngerer. Im Alter steigt aber die Erkrankungswahrscheinlichkeit. Schwangerschaftsdepressionen entstehen durch Anpassungsstörungen während der Schwangerschaft. Auch nach der Schwangerschaft kann es zu einer Depression kommen.

Die anaklitische Depression kann bei Personen auftreten, die ihre Bezugsperson verloren haben, wie etwa Babys, die von ihrer Mutter getrennt sind. Sie äußert sich unter anderem durch Jammern oder Anklammern. Die somatisierende Depression zeigt sich in körperlichen Beschwerden. Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen sind die häufigsten Symptome. Die organische Depression wird durch körperliche Erkrankungen hervorgerufen. Die agitierende Depression zeigt sich in starker Unruhe, Herumlaufen, Fuchteln und übersteigertes Mitteilungsbedürfnis sind Anzeichen. Ältere Menschen neigen hierzu häufiger.

Mögliche Ursachen

Die Ursachen einer Depression sind nur teilweise verstanden. Meist gehen mehrere Ursachen Hand in Hand vor. Biologisch-genetische Faktoren, entwicklungsgeschichtliche Erfahrungen, aktuelle Ereignisse und kognitive Verarbeitungsmuster sind maßgebend für die Entstehung einer Depression. Studien, vor allem Zwillingsstudien, zeigen eine genetische Grundlage für Depressionen an. Das Risiko von Kindern mit einem depressiven Elternteil zu erkranken, liegt bei 10 % – 40 %. Die Studien machen aber auch darauf aufmerksam, dass die genetische Ursache nur ein Teil der Faktoren sind. Die neurobiologischen Faktoren liegen in der Störung des serotonalen und/ oder dem noradrenalen System vor. Bei den meisten Depressionen liegt eine Störung dieser Systeme vor. Diese Neurotransmitter liegen in einer zu hohen oder zu niedrigen Form vor. Auch können die Synapsen in ihrer Reizbarkeit verändert sein.

Psychologisch werden Ursachen wie erlernte Hilflosigkeit, kognitive Wahrnehmungsstörungen, emotionale Defizite oder mangelnde Verstärkung für Depressionen verantwortlich gemacht. Kognitive Wahrnehmungsstörungen erschaffen eine Verzerrung der Realität, die durch negative Schemata verursacht werden. Emotionale Defizite führen dazu, dass Wahrnehmungen als negativ wahrgenommen werden. Die emotionalen Defizite führen auch zu fehlenden zwischenmenschlichen Beziehungen. Psychotherapeutische Ansätze sehen in der Depression eine Selbstaggression. Die Ursache wird in dysfunktionalen Familien gesehen. Überforderte Eltern verlangen von den Kindern, dass sie problemlos funktionieren oder die Eltern glücklich machen.

Die Sozialwissenschaft sieht in ungünstigen Lebensumständen wie etwa Arbeitslosigkeit und anderem die Ursache für Depressionen. Elterliche Depressionen wirken sich auf die Kinder aus. Entwicklungsbiologen beschreiben die Ursachen für Depressionen, dass Verhaltensmöglichkeiten, die in der Entwicklung von Nutzen waren, heute überholt und als Krankheit oder Störung auftreten. Weitere Ursachen können der Mangel an Licht sein oder es sind Krankheitserreger, die zu chronischen Infektionen führen. Die Einnahme oder das Absetzen von Medikamenten oder Drogen können auch zu Depressionen führen. Hormonelle Faktoren werden für die postnatale Depression verantwortlich gemacht.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Depressionen ist üblicherweise gut. Psychotherapien, medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva und weitere Maßnahmen werden angewendet. In der Psychotherapie finden Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie, die Interpersonelle Psychotherapie, die Analytische Psychotherapie und tiefenpsychologische Therapien Anwendung. Weiter werden Gesprächstherapien und Gestalttherapien eingesetzt.

Die kognitive Verhaltenstherapie will depressivmachende Denk- und Verhaltensmuster erkennen und verändern. Tiefenpsychologische Methoden wollen den Patienten heilen, in dem sie ihm Einsicht in unbewusste Konflikte geben. Diese entstehen in der Kindheit und sollen erkannt und aufgearbeitet werden. Gruppentherapien versuchen die Störungen durch Techniken wie Rollenspiele zu überwinden.

Die Behandlung mit Antidepressiva führt nicht bei allen Patienten zu einem gleich guten Ergebnis. Die Gründe sind noch nicht ganz erforscht. Die Antidepressiva sollen vor allem die Schwankungen der Neurotransmitter ausgleichen. Häufig werden deshalb selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer verschrieben. Zum Einsatz kommen aber auch trizyklische Antidepressiva und Monoaminoxidasehemmer. Bei der Einnahme von Antidepressiva sollte auf Nebenwirkungen geachtet werden. Ist der Patient therapieresistent können auch Neuroleptika eingesetzt werden.

Johanniskraut hat sich bei leichten und mittleren Depressionen verdient gemacht. Studien haben ergeben, dass die Wirksamkeit nicht hinter den Standardantidepressiva zurück stehen, und weniger Nebenwirkungen haben. Es wirkt dabei auf das Neurotransmittersystem. Gelingt die Therapie nicht und leidet der Patient in hohem Maße, kann eine Behandlung in einer psychiatrischen Klinik nützlich sein. Die Vorteile einer Behandlung liegen in der Tagestruktur, die der Patient erhält und in den intensiven psychotherapeutischen und medizinischen Maßnahmen.

Die Lichttherapie hilft bei leichten und mittleren Depressionen wie zum Beispiel der Winterdepression. Bei dem Versagen der medikamentösen Behandlung kommen heute wieder verstärkt elektrische oder elektromagnetisch Stimulationen zum Einsatz. Geforscht wird, ob die Ernährung bei der Behandlung von Depressionen nützlich sein kann.