Krampfadern

Krankheit: Krampfadern Informationen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Bezeichnung Krampfadern kommt vom althochdeutschen krümpfan = krümmen. Ihr wissenschaftlicher Name Varizen stammt vom lateinischen varix = Knoten. Krampfadern sind krankhaft erweiterte Venen, besonders an den Beinen, seltener auch an anderen Körperstellen. Die Medizin unterscheidet zwischen den Varix Simplex, die aus einer größeren Venenausstülpung, einem Venensack, bestehen und den Varix cirsoides, die aus vielfach verschlungenen Venen bestehen. In 90 Prozent aller Fälle sind hautnahe Venen betroffen, aber manchmal auch tiefe Venen. Nach offiziellen Statistiken hat rund die Hälfte aller Europäer zwischen 25 und 75 Jahren Krampfadern, Frauen sind etwas dreimal so oft betroffen wie Männer und mit zunehmenden Alter nimmt die Neigung zu Krampfadern zu.

Die Ursachen für Krampfadern

Ärzte unterscheiden zwischen primären und sekundären Krampfadern-Leiden (Varikosen). Die ersteren entwickeln sich im Laufe des Lebens. Sie sind häufig erblich bedingt oder entstehen durch eine ungesunde Lebensweise. Zu wenig Bewegung, häufiges Stehen oder Sitzen, falsche Ernährung, massives Übergewicht und auch Rauchen können eine Ursache für Krampfadern sein. Aber auch hormonelle Störungen kommen als Ursache infrage. Besonders
während der Schwangerschaft kommt es wegen des Anstieges des Hormons Östrogen oft zu Krampfadern. Grundsätzlich führt aber immer schlechter Blutfluss und die dadurch entstehende Stauung zunehmend zur Erschlaffung der Venenwände und zur Überdehnung und Aussackung. Häufig können auch die Venenklappen nicht mehr richtig schließen, das Blut staut sich in den Beinen, Krampfadern entstehen. Die sekundäre Varikose ist die Folge einer Venenthrombose. Darunter versteht man den Verschluss einer tiefen Venenstrombahn durch ein Blutgerinnsel.

Symptome des Krampfadern-Leidens

Krampfadern sind am Anfang ein eher kosmetisches Problem. Gerade Frauen fühlen sich oft schon durch kleine erweiterte Hautvenen (Besenreiser genannt) ästhetisch gestört. Dabei sind die Besenreiser eigentlich noch harmlos. Kommen aber müde, schwere, schmerzende Beine, knotige Verhärtungen, Wasseransammlungen, Wadenkrämpfe und Juckreiz hinzu, dann ist es höchste Zeit, einen Facharzt aufzusuchen, um die Weiterentwicklung der Krankheit zu stoppen und Komplikationen zu verhindern.

Diagnose

Ein Facharzt für Venenleiden (Phlebologe) klärt, ob die Krampfadern nur ein kosmetisches oder ein medizinisches Problem darstellen und ob es sich um primäre oder sekundäre Varikose handelt. Danach richtet sich die weitere Behandlung. Durch Spezialuntersuchungen, wie die Ultraschall-Dopplersonografie, die Lichtreflexionsrheografie zur Überprüfung der Pumpfunktion, die Venendruckmessung (Phlebodynamometrie) und die Venenverschluss-Plethysmografie kann eine genaue Diagnose gestellt werden. Sie ist vor allem deshalb sehr wichtig, weil über längere Zeit bestehende Krampfadern nicht nur unangenehm und schmerzhaft sind, sondern eine ganze Reihe schwerer Komplikationen auslösen können.

So kann sich zum Beispiel eine bereits erweiterte Hautvene entzünden und ein dabei entstehendes Blutgerinnsel das Gefäß gänzlich verschließen. Dann spricht der Mediziner von einer Varikophlebitis. Diese ist extrem schmerzhaft, der gesamte Bereich schwillt an, wird rot und heiß. Einrisse in größeren Krampfadern können sogar zu gefährlichen Einblutungen führen. Es kann zum Abwandern von Gerinnseln in die Blutbahn kommen, zu tiefen Venenthrombosen und im schlimmsten Fall sogar zur Lungenembolie. Auch Hautveränderungen und Schäden des Gewebes bis hin zu Geschwüren und nicht heilenden Wunden (offene Beine) sind möglich, wenn Krampfadern nicht ärztlich behandelt werden.

Therapie des Krampfadern-Leidens

Es gibt durchaus einiges, was von den Betroffenen vorbeugend und unterstützend selbst getan werden kann. Als wichtigstes ist dabei möglichst viel Bewegung zu nennen. Bewegungsübungen besonders der Wadenmuskulatur verbessern den Blutfluss. Wenn es möglich ist, sollten beim Sitzen und beim Liegen die Beine hoch gelagert werden. Auch Schwimmen und Wassertreten in kühlem Wasser sind sehr gut, zu heiße Bäder und Sauna-Gänge sind dagegen für Menschen mit Krampfadern eher ungeeignet. Das gilt auch für heiße Schlammpackungen, Thermalbäder und Sonnenbäder. Wer lange Autofahrten, Busfahrten oder Flüge plant, sollte Kompressionsstrümpfe tragen.

Mit ihnen wird Druck auf die Venen ausgeübt und damit einer weiteren Erschlaffung der Gefäßwände entgegen gewirkt. In schwereren Fällen sollten die Kompressionsstrümpfe sogar immer getragen werden. Auch ein Abbau von vorhandenem Übergewicht hat positive Effekte. Es gibt auch verschiedene Medikamente, die bei Krampfadern ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung verhindern oder zumindest verzögern können. Dazu gehört zum Beispiel der innerlich einzunehmende Rosskastanien- Extrakt. Das darin enthaltene Aescin ist ein Gemisch aus unterschiedlichen Triterpensaponinen und reduziert körpereigene Entzündungsstoffe, verbessert die Fließeigenschaften des Blutes und kann Wassereinlagerung im Gewebe verhindern.

Calciumdobesilat wird bei chronischer venöser Insuffizienz und bei oberflächlichen Venenverschlüssen angewendet und auch Hydroxyethylrutoside senken die kapillare Filtrationsrate und wirken gegen Ödeme. Es gibt darüber hinaus auch diverse Salben und Einreibungen, die aus Pflanzenextrakten und dem Wirkstoff Heparin bestehen. Es gibt noch keine ausreichenden Studien über deren Wirksamkeit, aber viele Patienten berichten doch von einer wohltuenden Wirkung und einem Nachlassen der Schmerzen und des Juckreizes. Außerdem bekommen viele von Krampfadern geplagte Menschen Diuretika, um das Wasser aus dem Gewebe zu schwemmen.

Operative Therapie bei Varikosen

Außer der Vorbeugung und medikamentösen Therapie kann es in schweren Fällen auch notwendig werden, die betroffenen Venenabschnitte operativ zu entfernen bzw. zu veröden. Das Veröden wird vor allem bei kleineren Krampfadern und Besenreisern durchgeführt. Dabei wird vom Arzt ein spezielles Medikament (Verödungsmittel) in das Gefäß gespritzt. Dieses Mittel verklebt das Blutgefäß. Es ist auch möglich, mittels Laser oder mit Radiowellen
ein Gefäß zu veröden, eigentlich zu verkochen. Das Blut kann nicht mehr durch das verödete Gefäß fließen und sucht sich andere Wege. Eine andere Methode ist das Ziehen von erkrankten Venen, das so genannte Stripping.

Es funktioniert auch bei größeren Krampfadern und ist vor allem bei Stammvenen-Krampfadern das erste Mittel der Wahl. Dabei wird eine Sonde in den betroffenen Venenabschnitt eingeführt, die Vene am Anfang und Ende durchtrennt und mit der Sonde herausgezogen. Das Stripping wird sowohl in Vollnarkose, als auch Lokal-Anästhesie durchgeführt. Bei beiden Methoden müssen über längere Zeit nach dem Eingriff Kompressionsverbände bzw Kompressionsstrümpfe getragen werden. Außerdem wird Heparin gegen mögliche Thrombosen oder Embolien gespritzt. Die Patienten müssen möglichst schnell nach dem Eingriff wieder laufen und die Beine bewegen.

Nach offiziellen Statistiken haben Stripping und Verödung von Krampfadern heute eine sehr gute Erfolgsquote von über 90 Prozent. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass Krampfadern immer wieder auftreten können. Wenn auch die entfernte Vene keine Beschwerden mehr macht, bleibt die Neigung zu Krampfadern trotzdem bestehen. Deshalb ist es besonders wichtig, weiterhin Vorbeugung zu betreiben und auch regelmäßig zur Untersuchung zu einem Gefäß-Spezialisten zu gehen. Nur er kann schon kleine Veränderungen erkennen, ehe sie sich unter Umständen zu Komplikationen entwickeln.