Kurzsichtigkeit

Krankheit: Kurzsichtigkeit Informationen und Behandlungsmöglichkeiten

Mit Kurzsichtigkeit oder Myopie bezeichnet man eine Art der Fehlsichtigkeit. Wer an Kurzsichtigkeit leidet, kann zwar alles, das nah ist, scharf sehen, alles, das weiter entfernt ist, ist aber nur noch ungenau zu erkennen. Je weiter ein Gegenstand entfernt ist, desto unschärfer wird er. Der Begriff „Myopie“ stammt von dem griechischen Wort „Myops“ ab, das übersetzt so viel wie „Blinzelgesicht“ bedeutet und darauf zurückzuführen ist, dass Betroffene in dem Versuch, auch auf die Entfernung schärfer zu sehen, die Augen zusammenkneifen.

Das gesunde Auge

Bei gut funktionierenden Augen werden die durch die Hornhaut und die Linse eindringenden Lichtstrahlen so gebrochen und gebündelt, dass der Brennpunkt (Fokus) direkt auf der Netzhaut liegt. Nur dann kann der Betroffene ein scharfes Bild sehen. Je nach Entfernung eines Gegenstandes wird unterstützend der Ziliarmuskel eingesetzt, um ein scharfes Bild zu erlangen: Je weiter entfernt der Gegenstand ist, der betrachtet werden soll, desto schlaffer wird der Muskel. Das hat zur Folge, dass die Brechkraft der Linse sinkt und der Brennpunkt nach vorne verschoben wird.

Die Kurzsichtigkeit

Ist dagegen der Augapfel zu lang (sogenannte Achsenmyopie), liegt der Brennpunkt der Lichtstrahlen bereits vor der Netzhaut. Wird jetzt bei weit entfernten Gegenständen die Brechkraft der Linse weiter herabgesenkt und der Brennpunkt weiter nach vorne verschoben, kann auf der Netzhaut nur noch ein entsprechend unscharfes Bild abgebildet und an das Gehirn weitergeleitet werden. Die Achsenmyopie ist die häufigste Form der Kurzsichtigkeit, ist in der Regel angeboren und entwickelt sich meist bis zum 30. Lebensjahr, weil der Augapfel zu sehr wächst.

Eine zweite Ursache der Kurzsichtigkeit ist die sogenannte Brechungsmyopie, bei der die Brechkraft von Hornhaut oder Augenlinse zu stark ist, sodass die Lichtstrahlen ebenfalls bereits vor der Netzhaut gebündelt werden. Die Brechungsmyopie kommt deutlich seltener vor als die Achsenmyopie. Ihre Ursache kann beispielsweise in einer Trübung des Linsenkerns (z.B. wegen eines Grauen Stars) oder in einer zu starken Krümmung von Linse und/oder Hornhaut liegen.

Arten der Kurzsichtigkeit

Es ist zwischen der einfachen Myopie (myopia simplex) und der malignen Myopie (myopia magna oder myopia progressiva) zu unterscheiden. Die einfache Form ist eine erblich bedingte Kurzsichtigkeit, die oft zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr beginnt und ihren Höhepunkt zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr erreicht. Ab diesem Zeitpunkt verschlechtert sich die Sehkraft nicht mehr, der Augapfel hört auf zu wachsen. Die einfache Myopie ist nicht als Krankheit anerkannt, was insbesondere dazu führt, dass die Krankenkassen nach Vollendung des 18. Lebensjahres die Kosten für eine Sehhilfe nicht mehr übernehmen. Im Gegensatz dazu verschlechtert sich die Sehkraft permanent bei der malignen Form der Kurzsichtigkeit. Unabhängig von Einflüssen aus der Umwelt dehnt sich der Augapfel weiter aus. In der Folge kommt es nicht nur zu weiter voranschreitender Sehschwäche, es besteht auch die Gefahr, dass sich die Netzhaut ablöst (sogenannte Ablatio retinae).

Maßeinheit

Die Brechkraft der Linse, mit der die Kurzsichtigkeit ausgeglichen werden soll, wird in Dioptrie (dpt) angegeben. Nach der Höhe der Dioptriezahl lässt sich die Stärke der Kurzsichtigkeit einteilen: Bei einer Myopie von bis zu -3,00 dpt spricht man von leichter Kurzsichtigkeit. Bei der moderaten Kurzsichtigkeit liegt die Myopie zwischen -3,00 dpt. und -6,00 dpt. Starke Kurzsichtigkeit beginnt bei -6,00 dpt.

Symptome

Die typischen Symptome einer Kurzsichtigkeit sind:

  • unscharfes Bild, je weiter ein Gegenstand entfernt ist
  • Besserung durch Zusammenkneifen der Augen
  • projizierte Texte können nur schwer gelesen werden
  • Lichtquellen erscheinen unscharf
  • Kopfschmerzen, wenn eine scharfe Sicht in die Ferne erforderlich ist oder war, z.B. beim Autofahren

Therapie und Behandlung

In der Regel kann der Kurzsichtigkeit mit einer Sehhilfe entgegen gewirkt werden, aber auch operative Eingriffe sind möglich.

Brillen für Kurzsichtige enthalten Zerstreuungslinsen (auch: Konkavgläser) mit negativem Brechwert, die den Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen so verschieben, dass er unmittelbar auf der Netzhaut liegt. Im Gegensatz zur Brille kann mit Kontaktlinsen eine genauere optische Abbildung erreicht werden.

Operativ gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Kurzsichtigkeit zu korrigieren. Zum einen kann mit der sogenannten LASIK-Methode (Laser-Assistierte In Situ Keratomileusis) die Hornhaut mit einem Laser abgetragen werden. Hierzu wird eine dünne Schicht der Hornhaut abgelöst und umgeschlagen. Im Anschluss wird die Hornhaut mit einem Laser abgetragen, bevor die Hornhaut wieder zurückgeklappt wird. Der abgelöste Hornhautlappen saugt sich dann fest und wächst mit der Zeit wieder fest. Durch diesen Eingriff wird die Brechkraft der Hornhaut verändert, sodass der Brennpunkt wieder auf der Netzhaut liegt oder jedenfalls näher an diese heranrückt. Durch den Eingriff kann es jedoch zu Vernarbungen der Hornhaut kommen. Auch ist es möglich, dass es zu einer Über- oder Unterkorrektur kommt, d.h. der ursprünglich Kurzsichtige kann weitsichtig werden oder aber die Kurzsichtigkeit wird nicht vollständig korrigiert, sodass er in der Entfernung immer noch nicht vollständig scharf sieht ohne Hilfsmittel wie Brillen oder Kontaktlinsen in Anspruch zu nehmen.

Die zweite Möglichkeit ist eine Veränderung der Brechkraft der Linse, indem eine künstliche Linse in den Augapfel eingepflanzt wird (Intraokulare Contakt-Linse, sogenannte ICL). Hierbei wird die künstliche Linse vor die eigene Linse und hinter die Regenbogenhaut, d.h. in der Augenhinterkammer platziert. Diese Methode wird insbesondere bei hochgradiger Kurzsichtigkeit gewählt oder wenn die Hornhaut des Betroffenen nicht dick genug für einen LASIK-Eingriff ist. Bei älteren Betroffenen kommt auch eine gewöhnliche Star-Operation in Betracht, bei der die eigene Linse entfernt und durch die künstliche Linse ersetzt wird.

Operative Eingriffe erfolgen in der Regel aus kosmetischen Gründen – medizinisch indiziert sind sie in den seltensten Fällen.

Vorbeugen

  • Es ist nicht möglich, einer Kurzsichtigkeit vorzubeugen – vor möglichen Komplikationen kann sich jeder Betroffene jedoch selbst schützen:
  • Pausen beim Tragen von Kontaktlinsen beugen Hornhautschädigungen vor
  • Gleiches gilt für die Einhaltung der Hygienevorschriften für das Tragen von Kontaktlinsen
  • regelmäßige augenärztliche Kontrollen tragen dazu bei, eine mögliche Netzhautablösung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln

Daneben kann es hilfreich sein, die äußeren Umstände möglichst ideal zu gestalten und z.B. beim Lesen und Arbeiten auf eine ausreichende Beleuchtung zu achten, weil dadurch eine bessere Abbildung auf der Netzhaut erzielt werden kann.