Schilddrüsenüberfunktion

Krankheit: Schilddrüsenüberfunktion Informationen und Behandlungsmöglichkeiten

Kleines Organ, große Wirkung: Die Schilddrüse reguliert den gesamten Organismus des Menschen, indem sie wichtige Hormone produziert. Die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin regeln den Stoffwechsel und beeinflussen somit Wachstum, Leistungsfähigkeit und Psyche. Ist die Hormonproduktion gestört, kommt es zu verschiedenen Krankheiten der Schilddrüse. Eine der häufigsten Schilddrüsenerkrankungen ist die Schilddrüsenüberfunktion, die sogenannte Hyperthyreose. Mit zunehmendem Alter tritt die Krankheit vermehrt auf, überwiegend bei Frauen. Schätzungen zufolge sind 3 bis 6 Prozent der 60- bis 80-jährigen Frauen betroffen.

Was bedeutet eine Überfunktion der Schilddrüse

Werden mehr Schilddrüsenhormone produziert als der Körper benötigt, liegt eine Überfunktion vor. Wenn das Gegenteil der Fall ist und die Schilddrüse eine zu geringe Menge an Hormonen produziert, wird von einer Unterfunktion gesprochen. Für die Bildung der Hormone Trijodthyronin und Thyroxin werden Jod und Eiweiß benötigt. Tritt ein Jodmangel auf, kann es zu einer vergrößerten Schilddrüse kommen. Diese wird als Kropf (Struma) bezeichnet. Als ersten Anhaltspunkt kann der Arzt den TSH-Spiegel im Blut bestimmen. Das in der Hirnanhangsdrüse produzierte Hormon TSH (Thyreotropin) steuert die Hormonbildung in der Schilddrüse. Wenn zu viele Schilddrüsenhormone ausgeschüttet werden, reagiert der Organismus mit einer Reduzierung der TSH-Produktion.

Welche Symptomatik zeigt eine Hyperthyreose

Eine übermäßig hormonproduzierende Schilddrüse kann diverse Beschwerden verursachen. Anzeichen für eine Hyperthyreose sind Gewichtsverlust trotz regelmäßiger Nahrungsaufnahme, Unruhezustände und Herzrasen, Reizbarkeit, starkes Schwitzen und Wärmeunverträglichkeit, Schlafstörungen, Muskelschmerzen, Zittern, Haarausfall, brüchige Nägel und Zyklusstörungen. Ein Struma ist oftmals mit einem Kloß- oder Druckgefühl im Hals, Atemnot bei Belastung oder Schluckbeschwerden verbunden. Wenn die Überfunktion nicht behandelt wird, kann es aufgrund der dauerhaften Belastung für den Körper zu Herzrhythmusstörungen kommen. Bei Frauen führt eine Hyperthyreose häufiger zu Knochenschwund (Osteoporose), da die Schilddrüse auch den Calciumumsatz beeinflusst.

Selbst eine leichte Überfunktion kann auf Dauer für das Herz schädlich sein: Betroffene weisen ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern auf. In sehr seltenen Fällen kann sogar eine lebensgefährliche Komplikation eintreten: die sogenannte thyreotoxische Krise. Dabei kann es innerhalb weniger Stunden oder Tagen zu einer bedrohlich hohen Schilddrüsenaktivität kommen, die zu Fieber, Bewusstlosigkeit oder Herz- und Leberschäden führen kann. Auslöser können jodhaltige Röntgenkontrastmittel, das Absetzen von Schilddrüsenmedikamenten, Operationen oder Trauma und Stress bei bereits bestehender Schilddrüsenerkrankung sein.

Wie entsteht eine Schilddrüsenüberfunktion

Die häufigste Ursache für die Hyperthyreose ist Morbus Basedow, eine Autoimmunkrankheit der Schilddrüse. Bei dieser Erkrankung werden Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe gebildet, was dazu führt, dass die Schilddrüsenzellen vermehrt Hormone ausschütten und die Schilddrüse meist wächst. Morbus Basedow kann mit Augenbeschwerden wie Hervortreten der Augen, Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit oder Druckgefühl einhergehen. Eine weitere häufige Ursache der Schilddrüsenüberfunktion ist die Autonomie. Dies bedeutet, dass nicht mehr die Hirnanhangsdrüse die Hormonproduktion steuert, sondern bestimmte Bereiche der Schilddrüse oder das gesamte Schilddrüsengewebe selbstständig werden.

Dadurch kommt es zu einer unkontrollierten Bildung von Hormonen. Im Falle einer stetig wachsenden Schilddrüse durch Jodmangel führt die Autonomie zur Überproduktion von Hormonen. Zusätzlich können Knoten entstehen und das Problem verstärken, indem sie ebenfalls autonom werden. Solche Knoten werden als „heiße“ Knoten bezeichnet. Weitere aber seltene Auslöser einer Hyperthyreose sind Entzündungen der Schilddrüse, Tumore in der Schilddrüse oder Hirnanhangsdrüse und eine Überdosierung von Schilddrüsenhormonen oder Jod. Bei einer Schilddrüsenentzündung tritt die Hyperthyreose jedoch nur temporär auf.

Wie wird eine Hyperthyreose diagnostiziert

Im Falle einer Vergrößerung der Schilddrüse kann diese vom Arzt häufig ertastet werden. Zuverlässige Aussagen können anhand der Blutwerte getroffen werden. Hierzu erfolgt eine Bestimmung des TSH sowie der Schilddrüsenhormone. Ist der TSH-Wert im Blut erniedrigt bzw. sind die Schilddrüsenhormone zusätzlich erhöht, kann von einer Überfunktion der Schilddrüse ausgegangen werden. Liegt Morbus Basedow vor, können die Antikörper gegen die Schilddrüsenzellen im Blut nachgewiesen werden. Neben den Laboruntersuchungen geben bildgebende Verfahren wie Ultraschall Aufschluss über eine mögliche Schilddrüsenerkrankung.

Eine Schilddrüsenszintigraphie dient zur Erkennung der Morphologie und Gewebestruktur der Schilddrüse. Dem Patienten wird ein Radionuklid in unschädlicher Menge in die Vene gespritzt. Reichert sich die Substanz verstärkt in der gesamten Schilddrüse oder in einigen Bereichen an, liegt eine Hyperthyreose vor. Diese Methode eignet sich somit auch zur Unterscheidung von heißen und kalten Knoten. Gelegentlich kommen als Untersuchungsverfahren auch Röntgenaufnahmen der Luftröhre oder Computertomografie des Halses zum Einsatz.

Welche Behandlungsmöglichkeiten einer Schilddrüsenüberfunktion gibt es

Je nach Ursache der Erkrankung gibt es verschiedene Therapieformen. Beruht die Hyperthyreose auf Morbus Basedow, kann die Erkrankung gelegentlich von selbst verschwinden. Zur Linderung der Beschwerden einer Schilddrüsenüberfunktion ist die medikamentöse Therapie sinnvoll. Diese beinhaltet zu Beginn die Schilddrüsenfunktion hemmenden Thyreostatika. Patienten mit starkem Herzrasen können zusätzlich Betablocker verabreicht werden. Bei etwa der Hälfte der an Morbus Basedow Erkrankten verbessert sich die Situation nach 12 Monaten längerfristig.

Die anderen müssen mit weiteren Methoden therapiert werden. Da Thyreostatika ernste Nebenwirkungen hervorrufen können, sind sie nicht als Langzeittherapie geeignet. Wenn die Medikamente nicht genügen, kann die ungefährliche Radiojodtherapie eingesetzt werden. Sie wirkt bei Morbus Basedow, Schilddrüsenautonomie, Schilddrüsenvergrößerung sowie bei bestimmten Formen von Schilddrüsenkrebs. Der Patient erhält eine individuell bestimmte Menge von radioaktivem Jod, das das erkrankte Schilddrüsengewebe zerstört. Das Jod wird in Form einer Kapsel oder in Wasser gelöst eingenommen.

Bei einer Schilddrüsenautonomie werden die autonomen Teile der Schilddrüse ausgeschaltet. Die Erfolgsquote liegt hier bei über 90 Prozent. Etwa 10 Prozent der Patienten leiden nach der Radiojodtherapie an einer Schilddrüsenunterfunktion und müssen mit Hormonen behandelt werden. Bei Morbus Basedow Patienten liegt die Erfolgsquote bei 80 bis 90 Prozent. Allerdings weist auch hier die Mehrzahl der Patienten nach der Therapie eine Schilddrüsenunterfunktion auf, die mit der lebenslangen Gabe von Schilddrüsenhormonen ausgeglichen werden muss.

Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie verringert das Volumen eines Strumas um 30 bis 50 Prozent. Es wird davon ausgegangen, dass das radioaktive Jod keine anderen Organe schädigt. Außerdem gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Radiojodtherapie das Entstehen von Krebs begünstigt.

Ein weiteres wirkungsvolles Verfahren bei der Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion ist ein operativer Eingriff. Dieser kann der Radiojodtherapie bevorzugt werden, wenn das Struma die Luftröhre einengt oder eine große Anzahl von Knoten vorhanden sind. Der häufigste Eingriff ist die sogenannte Strumaresektion, bei der die Schilddrüse fast vollständig entfernt wird. Die Erfolgsquote liegt bei über 95 Prozent, wobei auch bei diesem Verfahren bewusst eine zu behandelnde Schilddrüsenunterfunktion herbeigeführt wird. Die Rückfallquote beträgt unter 10 Prozent. Bei allen Therapiemethoden sind lebenslange regelmäßige Untersuchungen der Schilddrüse und Blutwerte notwendig.