Schilddrüsenunterfunktion

Krankheit: Schilddrüsenunterfunktion Informationen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Schilddrüse sitzt unterhalb des Kehlkopfes, ist schmetterlingsförmig und hat bei gesunden Menschen eine Größe von etwa 18-25 ml. Sie produziert aus den Bausteinen Eiweiß und Jod die für den menschlichen Körper wichtigen Hormone Trijodthyronin, auch T3 genannt, sowie Thyroxin (T4). Im Gehirn wird die Produktion und Verteilung dieser Hormone gesteuert. Im Hypothalamus fördert das TRH-Hormon die Bildung und Abgabe von TSH. In der Hirnanhangdrüse wird das TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon) gebildet, das wiederum die Schilddrüse zur Produktion der Hormone anregt. Die Schilddrüsenhormone TSH, TRH, T3 und T4 sind lebenswichtig, da diese den Stoffwechsel, den Kreislauf, das Wachstum und das psychische Wohlbefinden eines Menschen steuern.

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion

Werden in der Schilddrüse weniger Hormone produziert als für den Körper notwendig, spricht man von einer Unterfunktion, auch Hypothyreose genannt. Diese kann zahlreiche Symptome auslösen, die jedoch meistens schleichend auftreten und daher schwer zu erkennen und einer Unterfunktion zuzuordnen sind.

Ursachen

In seltenen Fällen ist die Schilddrüsenunterfunktion angeboren oder durch Jodmangel in der Ernährung entstanden. Meistens ist ein Verlust des Schilddrüsengewebes beispielsweise in Folge einer Entzündung der Auslöser einer Unterfunktion. Ebenfalls eine Störung des Hypothalamus oder der Hirnanhangdrüse können eine Unterfunktion auslösen.

Entzündung der Schilddrüse

Meistens liegt einer Entzündung die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis zugrunde. Diese ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen und tritt meist bei Frauen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. Hierbei bekämpft der Körper die eigene Schilddrüse und produziert Antikörper um das „fremde“ Gewebe zu beseitigen. Dadurch entsteht eine chronische Entzündung, die zur Zerstörung des Schilddrüsengewebes führt. Meist geschieht dies schleichend über mehrere Monate oder Jahre, sodass die Symptome oftmals nicht erkannt werden. Dank unterschiedlicher Medikamente kann diese Erkrankung zwar nicht geheilt, aber die Beschwerden können vollständig behoben werden. Selten kann es nach der Entbindung zu einer kurzfristigen Unterfunktion kommen. Diese heilt aber bei der Hälfte der Patientinnen wieder von alleine ab. Bei den übrigen Frauen entwickelt sich daraus ebenfalls eine chronische Entzündung.

Störungen im Gehirn

Aufgrund einer Erkrankung des Hypothalamus oder der Hirnanhangdrüse kann es ebenfalls zu einer Unterfunktion kommen. Entweder wird zu wenig TSH gebildet, welches die Schilddrüse nicht mehr genügend stimuliert. Oder der Botenstoff TRH fehlt, wodurch ebenfalls die Bildung des TSH gestört wird.

Die angeborene Unterfunktion

Diese Art der Unterfunktion kann bereits im Mutterleib beim ungeborenen Baby oder während der Geburt Konsequenzen haben. Durch einen Mangel an Schilddrüsenhormonen kann es zu Entwicklungsstörungen, Schäden am Nervensystem oder geistigen Behinderungen kommen. Nach der Geburt kann eine verringerte Aktivität, eine Trinkschwäche oder vergrößerte Zunge auf eine Erkrankung hindeuten. Daher wird im Zuge der U1 oder U2 bei Neugeborenen auch der TSH-Wert bestimmt. Wird eine Unterfunktion festgestellt kann dann durch eine entsprechende Therapie mit Medikamenten eine Weiterentwicklung der Krankheit verhindert oder zumindest verbessert werden. Eine angeborene Unterfunktion entsteht meist durch Störungen der Hormonproduktion, Jodmangel oder Unterfunktion der Mutter, Veränderung des Schilddrüsengewebes oder das Fehlen der Schilddrüse.

Sonstige Gründe

Bei einigen Menschen kann sich aus einer Überfunktion auch eine Unterfunktion entwickeln. Dies kann durch zu hohe Dosierung der Medikamente, Radiojodtherapie, Entfernung der Schilddrüse oder Röntgenbestrahlungen entstehen.

Symptome

Durch den schleichenden Verlauf und die unklaren Beschwerden wird eine Unterfunktion oft erst nach Jahren diagnostiziert. Oft werden einzelne Symptome auch den eigenen Lebensumständen zugeordnet und nicht als Hinweis auf eine Erkrankung gesehen.
Schilddrüsenhormone wirken sich auch zahlreiche Organe, auf die Nerven und die Psyche aus. Charakteristische Symptome sind vor allem:

  • Antriebslosigkeit und erhöhte Müdigkeit
  • Depressive Verstimmungen
  • Unerklärliche Gewichtszunahme
  • Trockene oder teigige Haut
  • Extreme Kälteempfindlichkeit
  • Muskelschwäche
  • Gestörter Monatszyklus bei Frauen und Unfruchtbarkeit
  • Haarausfall und brüchige Nägel
  • Verstopfung
  • Tiefere oder heisere Stimme
  • Manchmal Bildung eines Kropfs

Diagnose

Der behandelnde Hausarzt stellt meist durch die Beschreibung einiger der aufgeführten Beschwerden eine erste Diagnose auf Schilddrüsenunterfunktion. Da jedoch bei den meisten Symptomen auch andere Erkrankungen zugrunde liegen können wird zunächst eine Tastuntersuchung der Schilddrüse sowie ein Bluttest durchgeführt. Bei der Blutuntersuchung wird zunächst der TSH-Wert sowie die T3 und T4 Werte untersucht. Bei der Hashimoto Thyreoiditis können außerdem noch Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Zur weiteren Abklärung werden die Patienten dann vom Hausarzt zum Endokrinologen oder Nuklearmediziner überwiesen. Dieser kann dann mittels Ultraschall und Szintigrafie die Schilddrüse und ihre Beschaffenheit genauer untersuchen. Durch diese Untersuchungen kann exakt bestimmt werden, ob eine angeborene Unterfunktion besteht, eine Autoimmunerkrankung vorliegt oder ob eventuell eine bösartige Veränderung des Gewebes der Grund für die Fehlfunktion ist.

Therapie

Die eigentliche Unterfunktion kann nicht durch Medikamente geheilt werden. Lediglich die Symptome werden bei richtiger Dosierung beseitigt. Die Art der Tabletten wird durch den Grund der Unterfunktion bestimmt. Ist Jodmangel als Auslöser erkannt worden, hilft oft eine Änderung der Ernährung mit mehrmaligem Verzehr von Seefisch pro Woche oder die Gabe von reinen Jodtabletten. Meist werden Tabletten mit dem T4-Hormon verabreicht. Dieses synthetisch hergestellte Thyroxin ist dem körpereigenen Hormon identisch. In seltenen Fälle bei einer Störung der Umwandlung im Gehirn wird auch ein Kombipräparat mit T3 und T4 verordnet.

Die erforderliche Tablettendosis wird über einen längeren Zeitraum in den Körper eingeschlichen. Dies bedeutet, dass mit einer relativ kleinen Dosierung begonnen wird und diese dann im Abstand von einigen Wochen immer weiter gesteigert wird. Anhand regelmäßiger Blutkontrollen kann dann festgestellt werden, bei welcher Dosierungshöhe ein optimaler TSH-Wert erreicht wird.

Ziel dieser schleichenden Einnahme ist es, eine plötzliche Überfunktion oder Herzrhythmusstörungen vorzubeugen. Bei zu schneller Steigerung kann der Körper die Hormone nicht richtig verwerten und reagiert dabei wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion.
Da die Aufnahme des Hormons von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, kann bei Beginn der Therapie nicht vorhergesagt werden, mit welcher Dosis ein Normalwert erreicht werden kann. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte beim Arzt notwendig. Zu Beginn der Therapie erfolgen diese meist alle 4-6 Wochen, danach etwa 1-2 Mal im Jahr. Die Einnahme der Tabletten muss meist ein Leben lang fortgeführt werden, bei richtiger Dosierung der Hormone besteht jedoch keine Einschränkung der Lebensqualität.

Vorbeugende Maßnahmen

Obwohl Jodmangel in der heutigen Zeit nur sehr selten Grund für eine Unterfunktion ist sollte auch eine ausreichende Versorgung geachtet werden. Üblicherweise kann die erforderliche Jodmenge durch jodiertes Speisesalz und regelmäßigen Genuss von Seefisch gedeckt werden. Schwangere und stillende Mütter haben einen erhöhten Bedarf und sollten nach Absprach mit dem Arzt eventuell zusätzliche Jodpräparate einnehmen.